23.10.14
Iris Dypka

Das „Eiserne Dreieck der Strukturqualität“

Dies beschreibt drei Strukturmerkmale, die einen besonders stabilen Zusammenhang mit der Qualität pädagogischer Prozesse und kindlicher Entwicklungsergebnisse haben.

Dies beschreibt drei Strukturmerkmale, die einen besonders stabilen Zusammenhang mit der Qualität pädagogischer Prozesse und kindlicher Entwicklungsergebnisse haben:

  1. die Gruppengröße
  2. der Erzieher-Kind-Schlüssel
  3. die Ausbildung des frühpädagogischen Fachpersonals.

1. Gruppengrößen

Tendenziell ist eine Verknüpfung zwischen der Offenheit der Gruppen und der Gruppen-Größe festzustellen. Je offener in einer Kita gearbeitet wird, desto größer ist in der Regel der Verbund, in dem die Kinder betreut werden. Und zwar unabhängig vom Alter der Kinder.

Die befragten pädagogischen Fachkräfte arbeiten eigenen Angaben zufolge vorwiegend in teiloffener (53,0%) oder offener Arbeit ohne feste Gruppen (25,2%). In festen Gruppen arbeiten lediglich 17,6% der Fachkräfte; 13 Fachkräfte (4,2%) sind in einer eingruppigen Einrichtung tätig.

In Hamburg wird somit – im Vergleich mit bundesdeutschen Durchschnittswerten, die in der Referenzstudie ermittelt wurden - etwas häufiger teiloffen (53% vs. 43%) und sogar doppelt so häufig offen gearbeitet (25,2% vs. 13%).

In geschlossenen Gruppen werden im Median weniger Kinder betreut (Md=16 Kinder) als in zeitweise geöffneten Gruppen (Md=20 Kinder) oder in der offenen Arbeit (Md=40 Kinder). In den eingruppigen Einrichtungen werden im Median 21 Kinder betreut.

2. Personal/Fachkraft-Kind Relation

Die wissenschaftlich empfohlenen Mindeststandards für unter dreijährige Kinder werden nur selten und in der Kernbetreuungszeit so gut wie überhaupt nicht erreicht werden, unabhängig vom Gruppenstrukturtyp und der Altersstruktur zum Zeitpunkt der Erhebung. Lediglich morgens sind entsprechende Relationen von 1:4 oder besser in jeder vierten bis fünften Einrichtung vorhanden. Für ältere Kinder sind die Bedingungen besser, aber die empfohlenen Standards werden auch hier nicht flächendeckend erreicht.

Am Nachmittag werden selbst die Hamburger Richtwerte häufiger überschritten.

In Konstellationen mit Kindern unter drei Jahren finden diese in ca. 30% (altershomogen) bis fast 70% der Fälle (altersgemischt) eine Relation von schlechter als 1:7,6 vor, für die älteren Kinder überschreiten die Relationen in 20% bis 30% der Gruppen den Richtwert von 1:12,5

Dabei sind die Personal-Kind-Relationen durchgängig deutlich besser als die Fachkraft-Kind- Relationen (Fachkraft definiert als abgeschlossene pädagogische Berufsausbildung). Was im Umkehrschluss bedeutet dass bessere Schlüssel durch den Einsatz von Auszubildenden und pädagogisch nicht einschlägig qualifiziertem Personal erreicht werden.

Personal-Kind-Relation im Median:

  • Krippe 1: 5
  • Elementar 1: 7,2

Altersgemischte Gruppentypen 1:4,9 (bis 0-4 Jährige) bis 1:6,58 (2-6 Jährige)

Fachkraft-Kind-Relation im Median:

  • Krippe 1: 6,25
  • Elementar 1: 10

altersgemischte Gruppentypen 1:7 (bis 0-4 Jährige) bis 1:9 (2-6 Jährige)

3. Ausbildung

Die Ausbildung der Fachkräfte hat direkten Einfluss auf die pädagogische Prozessqualität. Dabei ist das Ausbildungsniveau relevant. Ebenso wichtig sind aber auch Inhalte und didaktische Formate in den Aus- und Weiterbildungssettings.

In Hamburg, wie im restlichen Deutschland, ist der Abschluss zur staatlich anerkannten Erzieherin / zum staatlich anerkannten Erzieher der Regelabschluss und bildet damit ein sehr homogenes Ausbildungsniveau. Auch wenn zu Recht der geringe Anteil an akademisch qualifizierten Fachkräften bemängelt wird.

In Hamburg spiegeln sich die Vorgaben der BASFI erwartungsgemäß in der Untersuchung wider:

  • 70% haben eine Ausbildung als Erzieher_in
  • 15,3% gehören zur Berufsgruppe der Ergänzungskräfte, dazu zählen Kinder- pfleger_innen, Sozialassistent_innen, Krankenpfleger_innen und Familienpfleger_innen aber auch Heilerzieher_innen
  • 11,5% haben einen akademischen Abschluss
  • Leitungskräfte haben zu 44,1% eine Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher absolviert.
  • 53,6% verfügen über einen akademischen Abschluss.
  • Ein knappes Fünftel der Fachkräfte (19,4%) hat eine Zusatzausbildung abgeschlossen, wobei sich leichte Schwerpunkte im Bereich Psychomotorik (16, 5,1%) und Heilpädagogik (13, 4,2%) abzeichnen.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass in Hamburg von einer relativ guten Basis im Ausbildungsniveau agiert wird. Deutlich problematischer präsentieren sich die anderen beiden Merkmale des Dreiecks der Strukturqualität: Gruppengrößen und Personal/Fachkraft-Kind-Relationen.

So verwundert es nicht, dass diese beiden Aspekte im Ranking der Unzufriedenheit unter den Fachkräften deutlich die ersten Plätze belegen.

Der Missstand in der Strukturqualität hat Strahlkraft auf die pädagogische Prozessqualität. Denn Bildung und mittelbare Pädagogik brauchen ihren eigene Zeit und eigenen Raum, der aufgrund der Strukturqualität häufig schwierig einzurichten ist.

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