17.09.17
Jönna Atzeroth

„Kindern eine Stimme geben“ – Überlegungen zum Weltkindertag 2017

Am 20. September findet der Weltkindertag statt. Die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 garantiert allen Kindern Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechte. Das Motto des diesjährigen Weltkindertages lautet "Kindern eine Stimme geben!" und setzt sich dafür ein, dass Kinder stärker in Entscheidungen zu ihren eigenen Belangen eingebunden werden.

Am 20. September findet in Deutschland der Weltkindertag statt. Die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 garantiert allen Kindern Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechte – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe und Religion. Diese Rechte gelten in allen Ländern dieser Erde (mit Ausnahme der USA, die die Kinderrechte bis jetzt nicht ratifiziert haben).

Das laute und bunte Motto des diesjährigen Weltkindertages lautet "Kindern eine Stimme geben!". Dahinter steckt die gemeinsame Forderung von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk, Kinder und Jugendliche stärker an Themen zu ihren eigenen Belangen zu beteiligen – so natürlich auch in Kindertagesstätten. Dieses frühe Engagement ist wichtig. Wer schon früh in der Bedeutung seiner Mitbestimmungskraft gestärkt wurde, und wer bereits als Kind erfahren hat, dass die eigene Stimme ernst genommen wird, erfährt eine Selbstwirksamkeit und wird motiviert sich an gemeinschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

„So kleine Kinder und Politik???“

Es ist von unschätzbarer Bedeutung, Kinder in Entscheidungen zu ihren Belangen einzubinden und sie an Prozessen zu ihrem Leben teilhaben zulassen. So kurz vor der Bundestagswahl 2017 lohnt es sich darüber nachzudenken, wie wir stärker eine Politik mit Kindern als eine Politik für Kinder (wenn überhaupt) umsetzen können. Demokratie entsteht nicht von selbst - sie wird aktiv von überzeugten Schaffenden immer wieder neu realisiert und vorangebracht. Zu Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus ist es wichtig, Kinder mit der Fähigkeit zur dialogischen Aushandlung und dem festen Bild einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit der Menschen auszustatten. 

Wenn man sich mit anderen zur politische Bildung von Kindern im Kindergartenalter austauscht, kommt gelegentlich die Frage auf, ob sich tatsächlich bereits „so kleine Kinder“ mit solchen „großen Themen“ beschäftigen sollten. Die Frage lässt sich klar beantworten: Ja, das sollten sie! Unbedingt sogar! Es geht dabei nicht um die Vermittlung von politischem Wissen, sondern es geht darum dem Kind bereits in diesem Alter einen Erfahrungsraum für politische Prozesse zu ermöglichen.

Kinder sind Teil der Gemeinschaft und wollen mitmachen!

Kinder wollen mitmachen, Kinder haben Lust zu gestalten, Kinder möchten Dinge verstehen. Sie erschließen sich die Welt handelnd, erforschend und erfahrend. Sie wollen ihre Rolle in dieser Welt kennenlernen, sie lernen Bedürfnisse anderer Menschen kennen, sie kooperieren und ringen zeitgleich um Autonomie. Das Kind lernt, dass es gestalten kann und sein Handeln eine Wirkung auf andere Menschen hat. Diese Erfahrungen bilden das grundlegende Fundament, auf dem im Laufe der Jahre eine Verantwortung für das eigene Denken und Handeln entsteht. 

Neben den alltäglichen (für viele Pädagoginnen und Pädagogen sicher selbstverständliche aber dennoch in ihrem Wert nicht hoch genug zu hängenden) Beteiligungssituationen gibt es viele andere Situationen, in denen Kinder an einem Entscheidungsprozess beteiligt werden können: Warum statten wir die Kinder bei der Vorstellung einer neuen Fachkraft nicht mit einem Mitbestimmungsrecht aus? Schließlich betrifft es sie doch in einem ganz erheblichen Maße wer sie mehrere Stunden am Tag begleitet, mit ihnen spielt, sie tröstet und mit ihnen lacht. Weshalb bestimmen die Kinder einer Kita-Gruppe nicht regelmäßig über die Wahl des Ausflugsziels mit? Schließlich wissen sie doch am besten welche Wiese die meisten Grashüpfer, welcher Wald die tollsten Verstecke und welcher Spielplatz die schwindelerregendsten Klettergeräte bietet. Wieso stellen nicht die Kinder am Tag der offenen Tür ihre Einrichtung vor und übernehmen Führungen für Kinder und Eltern? Sie sind die Expertinnen und Experten; sie kennen jeden Winkel und die wichtigen Ecken und Räume aus Kindersicht.

Und jetzt ihr!

Wir sind uns sicher: In Euren Einrichtungen wird gelebt, gelacht, sich gestritten, sich vertragen und sich rege beteiligt!  Lasst uns daran teilhaben! Wie lebt ihr Teilhabe und Mitbestimmung in Euren Einrichtungen? Wir freuen uns über Fotos, kurze Berichte und Statements zur Partizipation von Kindern in eurer Kita (natürlich auch von den Kindern). Als Anregung hier einige Satzbeispiele: „Mitbestimmen bringt Spaß, weil…“, „Beteiligung von Kindern muss sein, weil…“, „Ich möchte gerne mal mitbestimmen, wenn…“  - wir sind gespannt!

Wir wünschen allen Kindern dieser Erde einen tollen Weltkindertag 2017!

Zum Lesen, nachschlagen und vorlesen

Franz, M. (2016): Heute wieder nur gespielt- und dabei viel gelernt! Den Stellenwert des kindlichen Spiels überzeugend darstellen. Don Bosco Medien GmbH.

Maywald, J.  (2016): Kinderrechte in der Kita. Kinder schützen, fördern, beteiligen. Herder GmbH.

Schubert-Suffrian, F./Regner, M. (2015): Partiziaption in Kita und Krippe. Kindergarten heute. Praxis kompakt/ Themenheft für den pädagogischen Alltag. Herder Verlag.

Stern, A. (2016): Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben. Elisabeth Sandmann.

Szillat, A. (2011): Justine und die Kinderrechte: 12 Geschichten. Edition zweihorn GmBH& Co. KG

Werninger, B. /Tharlet, E. (2015): Kind ist Kind. 5. Aufl. Michael Neugebauer Edition GmbH. 

Weitere Infos:

Auf der Internetseite des Deutschen Kinderhilfswerks findet man vielfältiges Infomaterial zu den Kinderrechten (auch für Eltern auf dt./engl./arabisch). Erwähnenswert sind hier auch die Pixie-Bücher „Niemand darf uns wehtun“, „Wir bestimmen mit“ und „Alles sind dabei“, die auf kindgerechte Weise die Kinderrechte thematisieren (max. 5 Stk pro Bestellung). Auch kann man hier ein Poster zu den Kinderrechten bestellen.

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