03.11.17
Maren Horstmann

Kita-Leitung: Einblicke vom Land und aus der Stadt

Kennt ihr das: Eine Leitung, die Zeit zum leiten hat? Irgendwie scheint es so, als ob dieses „Phänomen“ in der Stadt kaum noch vorhanden ist, obwohl es doch eigentlich genau das ist, was eine Leitung machen sollte. Man kann also sagen, es ist ein Balanceakt der besonderen Art!

Aber fangen wir von vorne an.

Während meiner Ausbildungszeit zur staatlich anerkannten Erzieherin habe ich in einer eher ländlicheren Gegend im Westen von Niedersachsen gelebt. Dort war größtenteils alles darauf ausgelegt, dass mindestens ein Elternteil nur bis mittags arbeitet, die Kinder aus der Kita abholt und alle dann gemeinsam zu Hause essen. Das heißt konkret: Es gab nahezu keine durchgehenden Kindergärten.

Für viele Kita-Leitungen sah der Alltag daher oft so aus, dass sie vormittags im Gruppendienst tätig waren und nachmittags, wenn alle Kinder abgeholt waren, sich ihren Leitungsaufgaben widmen konnten. Diese Kombination aus pädagogischer Arbeit am Kind und Leitungsaufgaben hat mir damals sehr gut gefallen und mir wurde klar: Das will ich auch! Jedoch fand ich, um Führungsaufgaben zu managen, brauchte ich noch weiteres Fachwissen. Ich entschied mich für ein anschließendes Studium, in dem „Institutionsentwicklung und Management“ eines der Schwerpunkte ist.

Vom Land in die Stadt

Schnell merkte ich, dass die Bildungseinrichtung Kita in Hamburg ganz anders tickt als auf dem Land. Das mag zum einen am Kitagutschein-System liegen, zum anderen sind die Bedarfe der Familien hier andere. Ich war sehr überrascht, als ich hörte, dass der Großteil der Kita´s den ganzen Tag durchgängige Betreuung anbietet. Mir stellte sich direkt die Frage, wie die Leitungskräfte sich denn dann ihren Tag gestalten und einteilen. Durch mehrere Praktika in den unterschiedlichsten Einrichtungen bemerkte ich, dass es für die Leitungskräfte an ein Kunststück grenzt, alle ihre Aufgaben und Verpflichtungen in der vorhandenen Zeit auszuführen. Das pädagogische Konzept weiterentwickeln, eine neue Fachkraft einstellen und eine besorgte Mutter beruhigen: wichtige Aufgaben und gleichzeitig ein großer Balanceakt, die entscheidend sind für die Qualität einer Kita. Genug Zeit dafür habe ich jedoch nur selten erlebt und auch Studien der Bertelsmann Stiftung belegen: in mehr als jeder zehnten Kita sogar überhaupt keine.

Wie viele zeitliche Ressourcen werden benötigt, um eine Kita professionell führen und leiten zu können?

Quelle: Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme

Die Bertelsmann Stiftung fand durch eine Sonderauswertung des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme heraus, dass Kitas, die über Personalressourcen für Leitungsaufgaben verfügen, von Land zu Land sehr unterschiedlich ausgestattet sind und nur 15 Prozent der mehr als 51.000 Kitas in Deutschland derzeit ihre Empfehlungen erfüllen. Demnach sollten jeder Kita unabhängig von ihrer Größe 20 Stunden pro Woche für Führungsaufgaben zur Verfügung stehen. Für jedes rechnerisch ganztags betreute Kind sollten zusätzlich 0,35 Stunden wöchentlich hinzukommen, um die Mehrarbeit bei wachsender Kita-Größe bewältigen zu können. Das bedeutet: In einer Kita mit 30 Kindern hätte eine Leiterin 30,5 Wochenstunden, um mit Eltern und externen Partnern zusammenzuarbeiten oder am Kita-Konzept zu feilen. Fast doppelt so viele Leitungsstunden würden einer Einrichtung mit 115 ganztags betreuten Kindern zur Verfügung stehen.

Meiner Auffassung nach reichen die zurzeit vorherrschenden Rahmenbedingungen für eine Kita-Leitung nicht aus, um den Erziehungs- und Bildungsauftrag einerseits und die kaum überschaubaren Organisationsaufgaben andererseits miteinander zu vereinbaren und zu erfüllen. Deswegen halte ich es für wichtig, den Leitungen der Kitas gebührende Beachtung zu schenken, denn sie sind meines Erachtens die Motoren einer Kita!

Ihr arbeitet selber als Leitung einer Kita oder könnt von weiteren Erfahrungen in dem Bereich berichten? Wir sind gespannt davon in den Kommentaren zu lesen!

Weitere Infos:

Mehr dazu findet ihr in der Expertise „Qualitätsausbau in KiTas 2017“ der Bertelsmann Stiftung. Auch die Expertise „Leitung von Kindertageseinrichtungen“ erörtert nochmal spannende Fragen zum rund um Kita-Leitungskräfte und zeigt, dass Leitung nicht gleich Leitung ist.

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