26.02.18
Kerstin Dählmann

Mit "Kita-Einstieg" Brücken in frühe Bildung bauen

Mit dem BMFSFJ-geförderten Bundesprogramm Kita-Einstieg sollen Familien, die bislang keine Anbindung an das Regelsystem der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung gefunden haben, auf dem Weg dorthin unterstützt werden. Wir von Kindermitte freuen uns, als einer von rund 200 geförderten Standorten bundesweit für die Kinder dieser Familien aktiv werden zu können!

Im April des vergangenen Jahres startete das bundesweit das Programm Kita-Einstieg. Ziel ist, Familien mit Zugangshürden den Weg in das Regelbetreuungssystem der frühen Bildung zu erleichtern. Dies kann über Information und Aufklärung der Familien einerseits, aber auch durch niedrigschwellige pädagogische Angebote in Einrichtungen wie Wohnunterkünften für geflüchtete Menschen erfolgen. Zudem sollen Fachkräfte durch Qualifizierungsangebote zu relevanten Themen geschult und unterstützt werden.

Während das Projekt bundesweit überwiegend kommunal umgesetzt wird, haben sich in Hamburg die acht Verbände der Vertragskommission Kita in einem Kooperationsprojekt beworben. So wird der Kita-Einstieg in Hamburg über insgesamt zehn Teilprojekte in unterschiedlichen Stadtteilen unter Gesamtleitung der bei der AFGW angesiedelten Koordinierungsstelle realisiert.

Auf der Projekt-Website der Koordinierungsstelle findet Ihr auch Fortbildungsveranstaltungen zu projektrelevanten Themen, welche sich an pädagogische Fachkräfte in ganz Hamburg richten und überdies kostenlos sind!

Bedarfs- und Sozialraumorientierung

Natürlich stehen für uns bei Kindermitte die Kinder und ihre Familien an oberster Stelle. Daher ist uns wichtig, uns an den konkreten Bedarfen vor Ort zu orientieren. Um dabei die Projektziele nicht aus den Augen zu verlieren, folgen unsere Maßnahmen vier wesentlichen Leitideen. 

Wir wollen:

(1) die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Eltern mit Fluchthintergrund erleichtern & Sprachbarrieren überwinden

(2) niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten zum Regelbetreuungssystem der frühen Bildung schaffen

(3) Akteursvernetzung im Sozialraum unterstützen sowie

(4) Kompetenzvoraussetzungen für Kita als „sicherer Ort für Kinder und Eltern“ schaffen

Dabei haben wir uns dabei auf zwei Sozialräume im Hamburger Norden fokussiert: Groß Borstel & Winterhude.

Das Projekt wird in Kooperation mit einer sog. Ankerkita entwickelt. Wir arbeiten mit der Kita Himmelsstürmer in Groß Borstel zusammen, welche bereits Kinder mit Fluchthintergrund betreut und erste Erfahrungen in der Arbeit mit Eltern gesammelt hat, die über keine oder wenig Deutschkenntnisse verfügen. Auf diese Weise stellen wir den Bezug zum konkreten Praxisbedarf sicher.

Aktuell entwickeln wir unterschiedliche Ideen, um Eltern auf dem Weg der Kita-Platzsuche zu unterstützen. Insbesondere für Menschen mit Fluchthintergrund sind Behördengänge und Antragstellung oft undurchsichtig. Daher bieten wir seit Anfang dieses Jahr in der Wohnunterkunft im Eschenweg regelmäßig eine Kita-Sprechstunde an. In diesem Rahmen entsteht auch Info- und Hilfsmaterial für die Eltern. Überdies erarbeiten wir kommunikations-unterstützende Materialien, die von den pädagogischen Fachkräften im Kita-Alltag eingesetzt werden sollen. Unser Ziel ist, bis zum Fachtag Kita-Einstieg am 5. April in der Zentralbibliothek am Hühnerposten erste Materialien auslegen zu können. Und natürlich hoffen wir, euch dort zahlreich anzutreffen!

Als Kita-Kulturlotsin Brücken bauen & Netze stricken

Wie der Programmtitel schon verrät, geht es in dem Programm darum, Brücken zu bauen. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit als "Kita-Kulturlotsin" ist daher die Vernetzung im Sozialraum. Ich möchte zu möglichst vielen unterschiedlichen Akteuren und Stakeholdern der Kinder- und Jugendhilfe in Kontakt treten, um das Projekt bekannt zu machen, Synergien durch eine gute Kooperation zu erzielen und natürlich um nachhaltige Strukturen aufzubauen. Für uns ist klar, dass die Herausforderungen, die ein Stadtteil zu bewältigen hat, nicht mit Ende der Programmlaufzeit verschwinden.

Als erste Maßnahme habe ich daher gemeinsam mit Marlis Müller, der pädagogischen Leitung unserer Ankerkita, eine Leitungsrunde für Kitas in Groß Borstel/Fuhlsbüttel ins Leben gerufen. Die Termine findet ihr auch - sobald diese fix sind - in unserem Kindermitte-Kalender. Solltet Ihr Euch angesprochen fühlen, aber keine Einladung erhalten haben, kontaktiert mich gerne via kerstin@kindermitte.org.

Glücklicherweise stehen wir noch am Anfang und ich freue mich über mein Netzwerk, das von Woche zu Woche weiter wächst. Bislang waren meine Kontakte sowie die Reaktionen auf unser Projektvorhaben durchweg positiv. Mich interessieren aber ebenso kritische Stimmen und Anregungen - denn so toll die Idee ist, in der Umsetzung zeigen sich bereits jetzt die ersten Hürden. Platz- und Fachkräftemangel machen den Kita-Einstieg nicht unbedingt leichter - daher gilt es, kreative Lösungen zu finden und in neue Richtungen zu denken. Das schöne am Projekt ist, dass wir vieles ausprobieren dürfen und am Ende das beibehalten, was gut funktioniert.

Und bei Euch?

Habt Ihr bereits Erfahrungen in der Betreuung von Kindern mit Fluchthintergrund bzw. der Zusammenarbeit mit den Eltern? Welche Herausforderungen birgt die Aufnahme von Kindern, welche wenig oder kein Deutsch verstehen? Und wie meistert Ihr die Gespräche mit den Eltern?

Erzählt uns von Euren Erfahrungen und wie Ihr diese gemeistert habt!

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